„Na sieh mal einer an!“…

…murmelte Schweig leise, als sie ihn in den Kühltransporter der Firma „Hassans Halal-Fleischerei“ stießen, der nun als provisorischer Gefangenentransport diente. Mit Wucht schoss ihm die Erinnerung an einen Rekrutenausflug vor vielen Jahren in den Kopf, zur Gedenkstätte in Plötzensee. Auf der Ladefläche kauerte ein gutes Dutzend Unglücklicher, die das Attentat im Lwiwer Nachtclub Tschernobyl zusammengebracht hatte. In ihrer Mitte krümmte sich wimmernd vor Schmerzen ein kleiner Alter, während sie Schweig ängstlich aus blutverkrusteten, zugeschwollenen Augen musterten. Sie waren erschöpft und ohne Atem nach einer sicher stundenlangen Odyssee durch die Hitze der Nacht, während der sie sich nur an einer der Bandschlingen festhalten konnten, die über ihnen von den zahlreichen Fleischerhaken an der Decke baumelten. Plötzlich aber fassten sie Hoffnung und bettelten verzweifelt: „Wasser, bitte Wasser!“

„Die Welt ist ganz schön durcheinander“, seufzte Schweig, bevor er sich ein paar aufmunternde Worte zurechtlegte.

  • 15. August 2026

    Um 16 Uhr Lesung im Gartenparadies am Markkleeberger See. Anfahrt auf Anfrage.